Verschaffen Sie sich einen ersten Überblick über die acht Themenräume in der neuen Dauerausstellung.

 

1. Tiere und Menschen: Eine alte Beziehung neu verhandelt

Unsere Beziehung zu Tieren ist alles andere als eindeutig: wir lieben und wir essen sie, verehren und verachten sie, beschützen und fürchten sie. Weil wir uns als die höchstentwickelten Lebewesen sehen, nehmen wir uns die Freiheit, Tiere nach unseren Bedürfnissen verfügbar zu machen. Wir halten sie im Haus, züchten sie als Nutztiere, machen mit ihnen Versuche, verfolgen sie als Jagdbeute oder fangen sie zur Unterhaltung in Zirkus und Zoo. Christian Ludwig und Alfred Edmund Brehm stehen mit ihren unterschiedlichen Lebenswerken im 19. Jahrhundert für eine Annäherung an Tiere als Mitgeschöpfe. Ihr Schutz durch den Menschen ist für sie christliches Gebot. Die Forschung trägt seit ihrer Zeit kontinuierlich zu einem neuen Blick auf nicht-menschliche Tiere bei.

2. Tiere lieben: Die Brehms und ihre Haustiere

Die Brehms holen sich wilde Tiere ins Haus, um sie aus der Nähe beobachten zu können. Aus ihrem Wissensdrang, aber auch aus der Freude an ihnen leiten sie das Recht ab, die Tiere zu zähmen und als Haustiere zu halten. In ihren populärwissenschaftlichen Texten über die Haustierhaltung vertreten die Brehms Auffassungen, die Leser*innen über Generationen beeinflussen. Der Nutzen für den Menschen steht dabei über dem Wohl der Tiere.

In mehr als einem Drittel aller Haushalte in Deutschland leben heute Tiere als Freunde und Familienmitglieder. Sie spenden uns Wärme durch Nähe, trösten uns als stumme Gesprächspartner und lustige Unterhalter. Wir identifizieren uns mit ihnen und nutzen sie als Statussymbole.

3. Tiere essen: Die Brehms bei Tisch

Singvögel stehen unter Naturschutz. Das war nicht immer so: Bei wohlhabenden Bürger*innen und Adligen sind sie seit dem Mittelalter als Delikatessen begehrt. Armen Menschen bieten sie oft den einzigen Zugang zu tierischen Eiweißen. Am Spieß gebraten, in Butter gesotten, in Suppen oder als Pasteten landen sie auf dem Teller. In Mitteleuropa ändert sich das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Verzehr von Singvögeln ist nun ein Tabu: Aus beliebten Speisen werden gefiederte Freunde. Wissenschaftler*innen führen die Nützlichkeit der Singvögel für die Forst- und Landwirtschaft ins Feld, Tierschützer*innen die Moral. Doch den Ausschlag dafür gibt die Verbesserung der Lebensbedingungen, zu der die verbesserte Fleischversorgung zählt.

4. Tiere erforschen: Die Vogelsammlung der Brehms

C. L. Brehm (1787–1864) zählt zu den bedeutendsten Vogelkundlern seiner Zeit. Der christliche Glaube des Pfarrers ist die Quelle seines Forschungsdrangs. Brehm sucht Gottes Werk in der Vielfalt der Natur. Er sammelt Vögel, um sie vergleichend untersuchen zu können. Dafür legt er Serien mit mehreren Exemplaren einer Art an. Bei Vogelpaaren einschließlich ihrer Jungen bestimmt Brehm Merkmale, an denen man die Tiere unterscheiden kann. Brehm ist seiner Zeit weit voraus. Für seine Herangehensweise erfährt er aber bereits zu Lebzeiten Kritik. Denn in jeder äußeren Abweichung will er Anzeichen für eine eigenständige Art erkennen. Brehms Vermächtnis umfasst mehr als 9.000 Vogelpräparate. Der Großteil dieser Sammlung befindet sich heute in naturkundlichen Museen in New York und Bonn.

5. Alfred Edmund Brehm: Von Renthendorf in die Welt

Im Pfarrhaus wächst Alfred Brehm in einer Welt des Wissens auf. Von seinem Vater lernt er die Kunst des Beobachtens. Er übernimmt auch den Glauben an eine den höheren Tieren eigene Seele. „Ach! Wenn ich auch so ein berühmter, herrlicher Mann wie Sie werden könnte!!!“, schreibt Alfred Brehm 1849 aus Ägypten an seinen Vater. Er ahnt nicht, dass er dessen Bekanntheit übertreffen wird. Neugierig zieht er in die Welt hinaus, in der die Erkenntnisse der Naturwissenschaften auf breites Interesse stoßen.

Alfred Brehm bietet seinen Leser*innen eine unterhaltsam-literarische Darstellung der Tierwelt. Als freier Autor schreibt er für populäre Zeitschriften und Buchverlage. Brehm wird Direktor eines Zoologischen Gartens und Gründer eines modernen Schauaquariums. Als Forscher und Vortragender reist er um die Welt.

6. Brehms Reiseleben: Von Begegnungen mit Menschen und Tieren

Reisen sind für den Lebensweg von Alfred Brehm von großer Bedeutung. Mit seiner ersten Expedition im Alter von 18 Jahren in den Nordosten Afrikas entscheidet er sich, Naturforscher zu werden. Während des fünfjährigen Aufenthaltes in Ägypten und im Sudan sammelt er Material für seine Tierbeschreibungen und Erfahrungen für seine Tätigkeit als Zoodirektor. Der Reisebericht, den Brehm nach seiner Rückkehr verfasst, wird sein erstes populäres Buch und verhilft ihm zugleich zu seinem Doktortitel. Die Afrikaexpedition prägt das Weltbild Alfred Brehms, weitere Reisen innerhalb Europas und durch Westsibirien befördern seine Karriere. In populären Formaten entwickelt sich Brehm zu einem Erzähler, der über alles schreiben kann.

7. Brehms Tempel der Natur: Tiere in künstlichen Welten

Zoologische Gärten und Aquarien entstehen in einer Zeit, in der Tiere aus den Lebensräumen der Menschen verschwinden. Seit den 1860er Jahren entwickeln sie sich zu Publikumsmagneten. Stadtbewohner*innen können erstmals wilde Tiere aus der ganzen Welt sehen. Zoos tragen zur Popularität der Naturkunde bei. Alfred Brehm will dort forschen, Wissen vermitteln und sein Publikum unterhalten. Er trifft damit die Erwartungen, die das damalige Bürgertum mit einem Zoobesuch verknüpft.

Bis heute informieren Zoos über die Tierwelt. Mit ihren Züchtungen leisten sie Beiträge zum Artenschutz. Doch das Selbstbild als Bildungseinrichtung und „Arche Noah“ wird inzwischen hinterfragt. Schon Brehms Tempel der Natur, das Berliner Aquarium, verkörpert die Widersprüche der modernen Zoos. Er ist romantisch gestaltet und technisch auf dem neuesten Stand.

8. Brehms Tierleben: Vom Bücherregal ins Vorabendprogramm

Brehms Tierleben ist eines der erfolgreichsten Naturbücher seiner Zeit. Bis heute gilt es als populärwissenschaftlicher Klassiker. Die erste Ausgabe erscheint zwischen 1864 und 1869 als Illustriertes Tierleben. Seit 1876 trägt es den einprägsamen Titel Brehms Tierleben. Alfred Brehm füllt damit eine Lücke zwischen faktengestützten naturwissenschaftlichen Studien und subjektiven Beobachtungen. Als sich die Menschen während der Industrialisierung von der Natur entfremden, entwickeln sie ein neues Interesse an ihr. Brehm befriedigt diese Nachfrage mit einer anschaulichen und unterhaltsamen Vermittlung der Fauna. Namhafte Tiermaler begleiten seine Beiträge mit zahlreichen Illustrationen. Die mit Holzschnitten bebilderte Naturgeschichte des 19. Jahrhunderts wird in neuen Medien fortgeführt und weiterentwickelt. Das Tierleben findet einen Platz in Dokumentationen für Fernsehen und Kino.

Ein besonderer Hingucker ist zuletzt im Erdgeschoss die große Vogelvitrine, die annähernd 100 Brutvögel aus der Renthendorfer Flur in der Brehm-Zeit vorstellt, gleichzeitig aber auch ohne erhobenen pädagogischen Zeigefinger mitteilt, dass die aufgestellten Vögel mit schwarzem Schild bereits in unserer Flur nicht mehr nachweisbar sind, die mit rotem Schild sehr selten geworden sind und nur die mit weißem Schild noch zahlreich vorkommen.

 
 
 
 
 
 
 
 
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