Ernst Innocenz Hauschild (1852):

Vierter Bericht über das Moderne Gesamtgymnasium zu Leipzig
 

Vierter Bericht über das Moderne Gesammtgymnasium zu Leipzig

Artikelnummer: 2662
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  • Mit dem „Modernen Gesamtgymnasium“ gründete Ernst Hauschild 1849 in Leipzig eine eigene Lehranstalt, die 1854 durch die Errichtung der „Höheren Töchterschule“ erweitert wurde. Sein pädagogisches Konzept, das er ausführlich in den von ihm herausgegebenen „Leipziger Blättern“ beschrieb, lag die Idee vom Gesamtgymnasium zugrunde. Dieses sollte aus einem von allen Schülern zu besuchendem „Progymnasium“ mit den Fremdsprachen Englisch und Französisch bestehen, dem sich entweder das mathematisch-naturwissenschaftliche „Realgymnasium“ oder das humanistische „Gelehrte Gymnasium“ anschloss. H. verbesserte die Methodik des Fremdsprachenunterrichts, führte 1855 den Stenografie- und Turnunterricht für Mädchen ein und legte erste Schulgärten an. – Nachdem H. 1857 seine Privatschulen in andere Hände gegeben hatte, wurde er im selben Jahr zum Direktor der evangelischen Schule in Brünn (tschech. Brno) berufen, kehrte jedoch 1859 nach Leipzig zurück. Er bekleidete zuerst ein Lehramt an der 3. Bürgerschule und übernahm 1860 vorübergehend auch wieder die „Höhere Töchterschule“. Ab 1862 wurde ihm die Leitung der 4. Bürgerschule übertragen. – Außerdem verfasste er zahlreiche Lehrbücher und pädagogische Schriften, in denen er für neue Unterrichtsmethoden plädierte und sich für körperliche Ertüchtigung der Schüler aussprach. – H. setzte sich für eine engere Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus ein und unterstützte Moritz Schrebers Forderung nach der Errichtung von Spielplätzen. Am 10.5.1864 wurde auf H.s Initiative hin ein Erziehungsverein gegründet, der dieses Anliegen als Hauptaufgabe betrachtete und nach dem 1861 verstorbenen Schreber benannt wurde. Der erste „Schreberplatz“, ein Spielplatz im Freien, wurde am 29.5.1865 in der Leipziger Westvorstadt eingeweiht. Karl Gesell ließ 1868 in erzieherischer Absicht von den Kindern um den Spielplatz herum Blumenbeete anlegen, die bald mit Unterstützung der Eltern zu Familiengärten wurden. Diese umzäunten Parzellen erhielten den Namen „Schrebergärten“, weil sie nahe der Spielplätze der Schrebervereine entstanden. So entwickelten sich letztere allmählich von Erziehungs- zu Kleingärtnervereinen. – H. gilt heute als Mitinitiator der Schreberbewegung, eines Lebensreformansatzes, der versuchte, Körper und Geist durch Betätigung im Freien miteinander in Einklang zu bringen. Bei der Betrachtung seines Gesamtwerks zeigt sich, dass H. nicht nur ein bedeutender Pädagoge war, sondern auch eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Stadtgrüns einnahm.

    Andrea Mallon, Hauschild, Ernst Innocenz (Innozenz), in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V. Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (15.6.2020)

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